Inhaltsverzeichnis
- Was Kreatin eigentlich ist
- Warum Athleten so auf Kreatin schwören
- Das Gehirn: Der vergessene Kreatin-Verbraucher
- Depression: Wenn dem Gehirn die Energie ausgeht
- Wie Kreatin dem Gehirn helfen könnte - vier Wege
- Was die Studien am Menschen zeigen
- Was eine große Meta-Analyse 2025 sagt
- Frauen profitieren möglicherweise mehr
- Sport + Kreatin + Wohlbefinden: Das kraftvolle Trio
- Sicherheit und Verträglichkeit: Was du wissen solltest
- Wichtiger Hinweis
- FAQs
- Fazit: Warum Kreatin mehr Aufmerksamkeit verdient
Was Kreatin eigentlich ist
Wer im Fitnessstudio trainiert oder sich ein bisschen mit Kraftsport befasst, hat den Namen schon hundertmal gehört: Kreatin. Für viele klingt es nach weißem Pulver, Kraftsportler und Muskelbergen. Doch was, wenn Kreatin in Wirklichkeit weit mehr ist als ein Nahrungsergänzungsmittel? Was, wenn es eines der interessantesten Moleküle ist, die unser Körper kennt – mit Wirkungen, die weit über den Muskel hinausgehen?
Die aktuelle Forschung legt genau das nahe. Und die Ergebnisse sind so überraschend wie vielversprechend: Kreatin könnte nicht nur die sportliche Leistung verbessern, sondern auch das Gehirn mit Energie versorgen, die Denkleistung steigern – und möglicherweise sogar bei Depressionen helfen. Das klingt nach einer kühnen These. Aber die Wissenschaft hat einiges zu sagen.
Kreatin ist keine Erfindung der Nahrungsergänzungsmittelindustrie. Es ist eine Verbindung, die der menschliche Körper täglich selbst herstellt – vor allem in der Leber, den Nieren und der Bauchspeicheldrüse. Zusätzlich nehmen wir Kreatin über tierische Lebensmittel auf, insbesondere über Fleisch und Fisch. Vegetarier und Veganer haben deshalb oft deutlich niedrigere Kreatin-Spiegel im Körper.
Die Aufgabe von Kreatin ist so simpel wie fundamental: Es hilft dem Körper, schnell Energie bereitzustellen. Genauer gesagt, es dient als eine Art Energiepuffer. Wenn der Körper bei intensiver Belastung mehr Energie braucht, als er gerade produzieren kann – sei es beim Sprint, beim schweren Satz an der Hantelbank oder beim intensiven Nachdenken – springt das Kreatin-System ein und liefert ATP. ATP ist der universelle Energieträger jeder Zelle. Ohne ATP läuft nichts.
Das Entscheidende: Dieses Energiepuffer-System ist nicht nur im Muskel aktiv. Es funktioniert im gesamten Körper – inklusive Gehirn.
Warum Athleten so auf Kreatin schwören
Die sportliche Seite ist die am besten belegte. Hunderte Studien, unzählige Meta-Analysen – die Datenlage zu Kreatin im Sport ist so solide wie kaum bei einem anderen Supplement. Die International Society of Sports Nutrition (ISSN) hat Kreatin-Monohydrat nach Auswertung dieser Studienlage offiziell als das wirksamste legale leistungssteigernde Supplement für Sportler eingestuft.
Was bedeutet das konkret? Wer regelmäßig Kreatin supplementiert, kann die Kreatin-Speicher im Muskel um 20 bis 40 Prozent erhöhen. Das führt zu messbaren Vorteilen: Im Durchschnitt steigt die Maximalkraft um etwa 8 Prozent, die anaerobe Ausdauer verbessert sich um 5 bis 15 Prozent, und Sprint-Wiederholungen werden schneller. Sportarten wie Fußball, Eishockey oder American Football – bei denen explosive Bewegungen immer wieder gefordert werden – profitieren besonders.
Aber auch jenseits des Leistungssports gibt es relevante Befunde: Ältere Menschen können mit Kreatin in Kombination mit Krafttraining nachweislich dem altersbedingten Muskelabbau entgegenwirken. Und wer sich vegetarisch oder vegan ernährt, bemerkt oft besonders deutliche Effekte – schlicht weil der Ausgangsspiegel deutlich niedriger ist.
Die übliche Einnahme ist unkompliziert: 3 bis 5 Gramm täglich, dauerhaft. Wer die Speicher schneller füllen möchte, kann optional eine kurze Ladephase mit 20 Gramm täglich über eine Woche einbauen – langfristig führen aber beide Wege zum gleichen Ergebnis.
Das Gehirn: Der vergessene Kreatin-Verbraucher
Jetzt wird es wirklich spannend. Denn das Organ, das am meisten Energie verbraucht, ist nicht der Muskel – es ist das Gehirn.
Das klingt zunächst überraschend. Das Gehirn macht gerade einmal zwei Prozent unserer Körpermasse aus. Aber im Ruhezustand verbraucht es rund zwanzig Prozent der gesamten Körperenergie. Neuronen feuern pausenlos, Neurotransmitter werden synthetisiert, Signale werden übertragen – das alles kostet enorme Mengen ATP. Und genau wie im Muskel braucht das Gehirn einen schnellen Energiepuffer, wenn der Bedarf kurzfristig die Produktion übersteigt.
Oral eingenommenes Kreatin überquert tatsächlich die Blut-Hirn-Schranke – also die strenge Barriere, die das Gehirn vor vielen Stoffen schützt. Bildgebende Studien haben gezeigt, dass regelmäßige Kreatin-Supplementierung die Kreatin-Spiegel im Gehirn messbar erhöht. In einer frühen Neuroimaging-Studie stieg ein relevanter Marker für den zerebralen Kreatin-Gehalt bereits innerhalb von zwei Wochen um mehr als 8 Prozent.
Und was passiert dann? Forscher am Forschungszentrum Jülich haben das untersucht: Eine einmalige hohe Kreatin-Dosis verbesserte bei schlafentzogenen Probanden nachweislich die Verarbeitungsgeschwindigkeit und das Kurzzeitgedächtnis. Der Effekt setzte innerhalb von drei Stunden ein und hielt bis zu neun Stunden an. Mit anderen Worten: Kreatin half dem Gehirn, unter Erschöpfung weiterhin leistungsfähig zu bleiben.
Das ist nicht trivial. Denn ein Gehirn, das energetisch versorgt ist, denkt besser – und fühlt sich womöglich auch besser.
Depression: Wenn dem Gehirn die Energie ausgeht
Hier beginnt ein Forschungsfeld, das die Medizin gerade neu bewertet. Lange wurde Depression fast ausschließlich als ein Problem des Serotonin- oder Dopamin-Systems erklärt – als ein chemisches Ungleichgewicht im Gehirn. Das ist nicht falsch, aber es greift zu kurz.
Neuere Erkenntnisse zeigen: Bei Menschen mit einer schweren Depression ist auch der Energiestoffwechsel im Gehirn beeinträchtigt. Spezialisierte bildgebende Verfahren, Gehirnanalysen und Tiermodelle belegen konsistent, dass die Kreatin- und ATP-Spiegel im Gehirn von Menschen mit Depression deutlich niedriger sind als bei Gesunden. Die Mitochondrien – die kleinen Kraftwerke unserer Zellen – arbeiten schlechter, produzieren weniger Energie, und dieser Mangel schlägt sich direkt in Symptomen nieder: Antriebslosigkeit, Erschöpfung, Konzentrationsprobleme, gedrückte Stimmung.
In einer besonders aufschlussreichen Studie wurden Jugendliche mit einer sogenannten SSRI-resistenten Depression untersucht – das sind Patienten, bei denen gängige Antidepressiva nicht ausreichend helfen. Das Ergebnis: Je niedriger die Phosphokreatin-Spiegel im vorderen Gehirnbereich, desto schwerer die Depressionssymptome. Eine direkte Verbindung zwischen Gehirnenergie und psychischem Wohlbefinden.
Die logische Frage lautet: Wenn ein Energiedefizit im Gehirn zur Depression beiträgt – kann Kreatin dieses Defizit beheben?
Wie Kreatin dem Gehirn helfen könnte – vier Wege
Die Forschung hat bislang nicht einen, sondern mindestens vier Wege identifiziert, über die Kreatin das Gehirn bei Depressionen beeinflussen könnte. Das ist ungewöhnlich – und macht Kreatin aus wissenschaftlicher Sicht besonders interessant.
Energie zurückbringen
Der direkteste Weg: Kreatin erhöht die Phosphokreatin-Speicher im Gehirn und behebt so das energetische Defizit, das bei Depressionen nachgewiesen wurde. Neuronen können stabiler feuern, und der Transport von Botenstoffen wie Serotonin und Dopamin läuft wieder reibungsloser.
Botenstoffe regulieren
In Tierversuchen hat Kreatin nachweislich die Serotoninspiegel in bestimmten Hirnregionen erhöht und mit wichtigen Serotonin-Rezeptoren interagiert. Interessanterweise ähnelt ein weiterer Wirkmechanismus dem des Ketamins – einem der wirksamsten und schnellsten Antidepressiva, das die Medizin derzeit kennt.
Nervenzellen schützen und erneuern
Kreatin wirkt entzündungshemmend, schützt Neuronen vor Schäden durch Überreizung und fördert die Neubildung von Nervenzellen im Hippocampus – der Gehirnregion, die für Stimmung und Gedächtnis zentral ist. Außerdem werden erhöhte Spiegel von BDNF beobachtet – einem Protein, das so etwas wie ein Dünger für Gehirnzellen ist.
Die Psychotherapie wirksamer machen
Wer depressiv ist, hat oft Probleme mit Konzentration, Arbeitsgedächtnis und der Fähigkeit, neue Denkmuster zu erlernen. Kreatin könnte genau diese kognitiven Funktionen verbessern – und damit die Voraussetzungen schaffen, damit Psychotherapie überhaupt wirken kann.
Was die Studien am Menschen zeigen
Tierversuche und Mechanismen sind eine Sache. Was aber passiert, wenn man das am Menschen testet?
Die Schlüsselstudie: Kreatin + Antidepressivum
Im Jahr 2012 veröffentlichte eine Forschergruppe um In Kyoon Lyoo im renommierten American Journal of Psychiatry eine doppelblinde, placebokontrollierte Studie. 52 Frauen mit schwerer Depression erhielten acht Wochen lang entweder ihr Antidepressivum (Escitalopram) allein oder in Kombination mit 5 Gramm Kreatin täglich. Das Ergebnis war außergewöhnlich:
Nur Antidepressivum: −24,1 %
Nur Antidepressivum: −42,8 %
Nur Antidepressivum: −62,5 %
Nach acht Wochen waren in der Kreatin-Gruppe mehr als doppelt so viele Patientinnen vollständig in Remission – also symptomfrei: 52 Prozent gegenüber 26 Prozent. Schwerwiegende Nebenwirkungen traten nicht auf.
Zum Einordnen: Der sogenannte Cohen's d-Wert, der die Effektgröße misst, lag durchgehend über 1,0. Das gilt als sehr großer Effekt. Die meisten zugelassenen Antidepressiva erzielen Werte zwischen 0,3 und 0,5. Diese Zahlen verlangen Respekt – auch wenn die Studie noch klein war.
Kreatin + Psychotherapie: Eine Kombination mit Potenzial
Eine neuere Studie aus dem Jahr 2024/2025 (Sherpa et al., veröffentlicht im European Neuropsychopharmacology) testete Kreatin als Ergänzung zur kognitiven Verhaltenstherapie – der evidenzbasierte Goldstandard der Depressions-Psychotherapie. 100 Männer und Frauen erhielten acht Wochen lang entweder täglich 5 Gramm Kreatin zusätzlich zur Therapie oder ein Placebo. Das Ergebnis: Die Kreatin-Gruppe zeigte auf der standardisierten Depressionsskala (PHQ-9) eine deutlich stärkere Symptomreduktion von im Schnitt 5,12 Punkten mehr als die Placebo-Gruppe.
Diese Studie ist besonders bedeutsam, weil sie zeigt: Kreatin verbessert womöglich nicht nur den Gehirnstoffwechsel direkt, sondern macht Menschen auch aufnahmefähiger für therapeutische Inhalte. Das Gehirn, energetisch gut versorgt, lernt besser.
Bevölkerungsweite Daten bestätigen das Bild
Eine der größten Studien zu diesem Thema wertete Daten von fast 23.000 US-Amerikanern aus. Das Ergebnis: Menschen, die über ihre Ernährung mehr Kreatin aufnahmen, hatten deutlich seltener eine diagnostizierte Depression. Der Effekt war besonders ausgeprägt bei Frauen und bei jungen Erwachsenen zwischen 20 und 39 Jahren. Das ist natürlich keine Kausalität – es beweist nicht, dass Kreatin Depressionen verhindert. Aber es passt ins Bild.
Was eine große Meta-Analyse 2025 sagt
Eine Meta-Analyse aus 2025 fasste elf klinische Studien mit insgesamt über 1.000 Teilnehmern zusammen. Die gute Nachricht: Die Chance auf vollständige Remission war unter Kreatin 3,6-mal höher als unter Placebo – ein signifikanter Befund. Die ehrliche Nachricht: Der Durchschnittseffekt auf die Symptomscores lag knapp unterhalb der Schwelle, ab der Mediziner von klinischer Relevanz sprechen. Die Qualität der Evidenz wird insgesamt noch als niedrig eingestuft.
Das bedeutet: Kreatin gehört aktuell nicht zu den offiziellen Behandlungsempfehlungen bei Depressionen. Die Forschung ist vielversprechend – aber noch jung und mit begrenzten Studiengrößen. Was jedoch bereits jetzt feststeht: Das biologische Erklärungsmodell ist stichhaltig, die ersten kontrollierten Studien zeigen bemerkenswerte Effekte, und die epidemiologischen Daten sind konsistent. In der Supplementforschung ist diese Kombination selten.


Frauen profitieren möglicherweise mehr
Ein auffälliges Muster zieht sich durch die gesamte Forschung: Die antidepressiven Effekte von Kreatin scheinen bei Frauen stärker zu sein als bei Männern. In Tierversuchen reduzierte Kreatin depressions-ähnliche Verhaltensweisen bei weiblichen Tieren, bei männlichen hingegen kaum. In der großen bevölkerungsweiten Studie war der Zusammenhang zwischen Kreatin-Aufnahme und geringerem Depressionsrisiko bei Frauen am deutlichsten ausgeprägt.
Der Grund könnte hormonell sein: Östrogen aktiviert bestimmte Enzyme des Kreatin-Stoffwechsels und verbessert die Funktion der Mitochondrien – beides verstärkt die Wirkung von Kreatin im Gehirn. Das schließt natürlich nicht aus, dass Männer ebenfalls profitieren. Aber für Frauen – insbesondere in Lebensphasen mit hormonellen Schwankungen – könnte Kreatin eine besonders relevante Rolle spielen. Gezielte Studien fehlen hier noch.
Sport + Kreatin + Wohlbefinden: Das kraftvolle Trio
Wer regelmäßig Sport treibt, kennt das Gefühl: Nach einem guten Training ist die Stimmung besser. Das ist keine Einbildung – Bewegung ist einer der am besten belegten natürlichen Stimmungsaufheller überhaupt. Sie erhöht BDNF (den Wachstumsfaktor für Gehirnzellen), stimuliert Serotonin und Dopamin, fördert die Bildung neuer Nervenzellen im Hippocampus und senkt Stresshormone.
Kreatin und Sport teilen sich viele dieser Wirkpfade. Und die Kombination könnte mehr sein als die Summe ihrer Teile: Kreatin macht das Training intensiver, das Training macht das Gehirn gesünder, und Kreatin versorgt das Gehirn dabei direkt mit Energie. In Tierversuchen verbesserte die Kombination aus Kreatin und regelmäßigem Training depressive Verhaltensweisen stärker als jede Einzelmaßnahme allein.
Zwei führende Forscher auf diesem Gebiet – Nicholas Fabiano von der Universität Ottawa und Brendon Stubbs vom King's College London – haben diesem synergistischen Ansatz im Jahr 2025 einen eigenen wissenschaftlichen Kommentar im European Neuropsychopharmacology gewidmet. Klinische Studien am Menschen zu dieser Kombination stehen noch aus – die Grundlage ist aber überzeugend.
Sicherheit und Verträglichkeit: Was du wissen solltest
Kreatin-Monohydrat ist seit Jahrzehnten eines der sichersten und am besten untersuchten Sportergänzungsmittel überhaupt. Langzeitstudien über bis zu fünf Jahre haben bei gesunden Menschen keine Nierenschäden gezeigt. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung und die Verbraucherzentrale Deutschland stufen eine tägliche Einnahme von 3 Gramm für gesunde Erwachsene als unbedenklich ein. Kreatin steht nicht auf der Dopingliste und ist auf der Kölner Liste (einer Datenbank für kontrollierte Supplements) gelistet.
Mögliche Nebenwirkungen sind mild:
• Leichte Verdauungsprobleme wie Blähungen oder Übelkeit, besonders wenn die Dosis auf einmal eingenommen wird
• Eine vorübergehende Gewichtszunahme von 1 bis 3 Kilogramm zu Beginn – das ist Wasser im Muskelgewebe, keine Fettzunahme
• Ein leicht erhöhter Kreatinin-Wert im Blut – das ist ein Stoffwechselprodukt von Kreatin und hat bei Gesunden keine Bedeutung für die Nierenfunktion
Es gibt jedoch klare Situationen, in denen Kreatin nicht oder nur unter ärztlicher Aufsicht eingenommen werden sollte:
Diese Einschränkungen sind ernst zu nehmen. Gerade weil Kreatin ein frei verkäufliches Supplement ist, entsteht leicht der Eindruck, es sei in jeder Situation harmlos. Das stimmt für gesunde Menschen – nicht aber für alle.
Wichtiger Hinweis:
Kreatin ist kein Ersatz für medizinische oder psychiatrische Behandlung. Bei Depressionen oder anderen psychischen Erkrankungen sollte immer zuerst ein Arzt oder eine Psychotherapeutin konsultiert werden. Eine Kreatin-Supplementierung im Zusammenhang mit psychischen Erkrankungen sollte grundsätzlich nur in Absprache mit dem behandelnden Arzt erfolgen.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Was ist Kreatin und wozu wird es eingenommen?
Kreatin ist eine körpereigene Verbindung, die in Leber, Nieren und Bauchspeicheldrüse gebildet und zusätzlich über Fleisch und Fisch aufgenommen wird. Im Körper dient es als schneller Energiepuffer für Muskeln und Gehirn. Als Nahrungsergänzungsmittel wird es vor allem zur Steigerung von Kraft, Schnellkraft und Muskelmasse eingesetzt – ist aber auch für kognitive Leistung und möglicherweise psychisches Wohlbefinden relevant.
Wie viel Kreatin sollte ich täglich einnehmen?
Die gängige Empfehlung liegt bei 3 bis 5 Gramm täglich als Dauereinnahme. Optional kann eine kurze Ladephase mit 20 Gramm täglich über 5–7 Tage den Aufbau der Speicher beschleunigen. Langfristig führen beide Methoden zum gleichen Ergebnis. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung stuft 3 Gramm täglich bei gesunden Erwachsenen als unbedenklich ein.
Ist Kreatin sicher – auch langfristig?
Ja, für gesunde Erwachsene gilt Kreatin-Monohydrat als sehr gut verträglich. Langzeitstudien über bis zu fünf Jahre haben keine Nierenschäden oder andere ernsthafte Nebenwirkungen gezeigt. Kreatin steht nicht auf der Dopingliste der WADA und ist auf der Kölner Liste (Kontrollstandard für Supplements) gelistet.
Kann Kreatin wirklich bei Depressionen helfen?
Erste hochwertige Studien zeigen vielversprechende Ergebnisse: In einer kontrollierten Studie verdoppelte die Kombination aus Kreatin und einem Antidepressivum die Remissionsrate nach acht Wochen. Kreatin gehört jedoch noch nicht zu den offiziellen Behandlungsempfehlungen. Die Forschung ist jung und die Evidenz noch begrenzt. Bei Depressionen sollte immer zuerst ein Arzt konsultiert werden.
Warum wirkt Kreatin auch auf das Gehirn?
Das Gehirn verbraucht etwa 20% der gesamten Körperenergie – obwohl es nur 2% der Körpermasse ausmacht. Es besitzt dasselbe Phosphokreatin-Energiesystem wie der Muskel. Oral eingenommenes Kreatin überquert die Blut-Hirn-Schranke und erhöht nachweislich die Kreatin-Spiegel im Gehirn, was die Energieversorgung der Neuronen verbessert.
Profitieren Frauen anders von Kreatin als Männer?
Die Forschung deutet darauf hin, dass Frauen – besonders in Bezug auf Stimmung und psychisches Wohlbefinden – stärker von Kreatin profitieren könnten als Männer. Ein möglicher Grund: Östrogen aktiviert bestimmte Enzyme des Kreatin-Stoffwechsels und verstärkt so die Wirkung. Für den Muskel- und Kraftbereich ist die Wirkung bei beiden Geschlechtern gut belegt.
Eignet sich Kreatin auch für Vegetarier und Veganer?
Ja – und besonders gut sogar. Da Kreatin hauptsächlich über Fleisch und Fisch aufgenommen wird, haben pflanzlich ernährende Menschen häufig deutlich niedrigere Kreatin-Speicher. Eine Supplementierung kann hier besonders spürbare Effekte auf Leistung, Energie und kognitive Funktion haben.
Hat Kreatin Nebenwirkungen?
Die meisten Nebenwirkungen sind mild: leichte Verdauungsbeschwerden (vor allem bei hohen Einzeldosen), eine vorübergehende Gewichtszunahme von 1–3 kg durch Wassereinlagerung im Muskel sowie ein leicht erhöhter Kreatinin-Wert im Blut, der bei Gesunden jedoch keine Aussagekraft über die Nierenfunktion hat. Menschen mit Nierenerkrankungen, bipolaren Störungen oder in der Schwangerschaft sollten Kreatin nur nach ärztlicher Rücksprache einnehmen.
Verbessert Kreatin die kognitive Leistungsfähigkeit?
Ja, insbesondere unter Belastung. Studien – unter anderem vom Forschungszentrum Jülich – zeigen, dass Kreatin die Gedächtnis- und Verarbeitungsleistung bei Schlafentzug und mentaler Erschöpfung messbar verbessert. Es wirkt dabei nicht wie ein Stimulans, sondern indem es dem Gehirn schlicht mehr Energie zur Verfügung stellt.
Macht es Sinn, Kreatin mit Sport zu kombinieren?
Unbedingt. Sport und Kreatin teilen viele Wirkpfade – insbesondere in Bezug auf BDNF (Gehirn-Wachstumsfaktor), Serotonin und die Gesundheit des Hippocampus. Tierversuche zeigen, dass die Kombination aus Kreatin und Training depressive Verhaltensweisen stärker reduziert als jede Maßnahme allein. Für Sportler ist Kreatin zudem das am besten belegte leistungssteigernde Supplement überhaupt – eine Kombination, die auf mehreren Ebenen gleichzeitig wirkt.
Fazit: Warum Kreatin mehr Aufmerksamkeit verdient
Kreatin ist seit Jahrzehnten bekannt. Aber das Bild, das die Wissenschaft gerade von diesem Molekül zeichnet, ist neu und erheblich vielschichtiger als der Ruf des „Kraftsportler-Supplements".
Auf der sportlichen Seite ist die Evidenz unschlagbar: kein anderes Supplement ist ähnlich gut belegt, ähnlich sicher und ähnlich zugänglich. Auf der kognitiven Seite zeigen erste Studien, dass Kreatin das Gehirn unter Belastung messbar besser arbeiten lässt. Und auf der psychischen Seite – und das ist das Neue und Aufregende – deuten erste hochwertige Studien darauf hin, dass Kreatin womöglich sogar bei Depressionen einen ernsthaften Beitrag leisten kann.
Kreatin kostet weniger als einen Euro pro Tag, ist überall erhältlich, gut verträglich und seit Jahrzehnten sicher. Ein Supplement mit dieser Kombination aus Breite, Evidenz und Zugänglichkeit ist selten. Die Forschung zur psychischen Gesundheit steckt noch in den Anfängen – aber die Frage, ob Kreatin eines der am meisten unterschätzten Nahrungsergänzungsmittel überhaupt ist, wird gerade ernsthafter denn je diskutiert.
Wer Sport treibt, unter mentaler Erschöpfung leidet oder schlicht in guter körperlicher und mentaler Verfassung bleiben möchte – für den lohnt es sich, Kreatin-Monohydrat ernsthaft in Betracht zu ziehen.
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